BeeTree proyecto - Colonias de abejas viables autónomas

Colonias de abejas en su hábitat - una posición clave en el ecosistema

Autor: Dr. Frank Mallwitz
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Autonom lebende Honigbienen sind in Mitteleuropa ausgestorben.
Ihre Wiederansiedelung ist möglich !

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Autonom lebende Honigbienen hatten vor ihrem Aussterben in Mitteleuropa eine Schlüsselstellung im Ökosystem. Ihre Wiederansiedelung hätte einen jährlichen milliardenschweren ökonomischen Nutzen und einen unschätzbaren ökologischen Wert. Unsere privaten wissenschaftlichen Feldstudien zu autonom lebenden Bienenvölkern haben in den letzten 30 Jahren gezeigt, dass die Wiederansiedelung autonom lebender Bienenvölker in Deutschland, unter Berücksichtigung unserer Erkenntnisse der letzten 30 Jahre, möglich ist. Unsere Versuche an vielen hundert Bienenvölkern haben aber auch gezeigt, dass das einfache Aufstellen von Bienenvölkern unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht oder nur in den seltensten Fällen zur Ansiedelung autonom lebensfähiger Bienenvölker führt. Emergenzbetrachtungen können helfen diesen Sachverhalt zu verstehen.


1. Überblick

Vor ihrem Aussterben besiedelten wild lebende Honigbienen bevorzugt Waldränder. Honigbienen waren allgegenwärtig wie Ameisen und sicherten die flächendeckende Bestäubung im Wert von vielen Millionen Euro. Jahrzehnte stand die Frage, warum autonom lebende Honigbienen in Deutschland ausgestorben sind, zurecht im Fokus der Forschung. Bedeutender erscheint mir heute jedoch die Frage, wie sich Honigbienen unter den gegebenen Bedingungen wieder flächendeckend ansiedeln lassen.

Ursache für das Aussterben autonom lebender Honigbienen sind vor allem veränderte Lebensbedingungen durch moderne Forst- und Landwirtschaft und ein Parasit, die heute in allen Bienenvölkern präsente Varroamilbe. Kurzfristig koexistieren Bienenvölker unter den momentanen Lebensbedingungen in Deutschland mit diesem Parasiten. Die Erfahrung mit vielen hundert domestizierten Bienenvölkern zeigt jedoch, dass Honigbienen unter den gegenwärtigen Lebensbedingungen langfristig nicht ohne Pflegemaßnahmen überleben.

Gegenwärtig sind alle autonom siedelnden Kolonien von Honigbienen aus Beständen domestizierter Honigbienen entwichen. In den vergangenen drei Jahrzehnten haben wir in Brandenburg und Berlin systematisch solche Bienenvölker, die abseits der menschlichen Obhut leben, gesucht und erwartungsgemäß festgestellt, dass auch diese autonomen Völker ohne Pflege in wenigen Jahren fast alle sterben. Zu unserer großen Überraschung und entgegen der Erwartung und Erfahrung fanden wir einige wenige Orte, die bis zur Vernichtung der Nisthöhle permanent von autonom lebenden Völkern besiedelt waren.

Die Wiederansiedelung autonom lebender Honigbienenvölker ist unter Berücksichtigung der Erkenntnisse, die wir an den wenigen überlebenden Völkern in den letzten 30 Jahren gesammelt haben, somit schon heute möglich.


2. Bienen und Varroa - beobachtet abseits der menschlichen Obhut

Autonome Kolonien von Honigbienen werden in der Regel von Bienenschwärmen unbekannter Herkunft gegründet, innerhalb weniger Monate entdeckt und domestiziert. Kolonien, die längerfristig abseits menschlicher Obhut leben, sind sehr schwer zu finden und besiedeln oft unzugängliche Orte. Daher ist eine lückenlose Dokumentation bei autonomen Völkern sehr mühsam und mit privaten Mitteln praktisch ausgeschlossen. Somit kann man auch bei den wenigen Nisthöhlen, die über Jahre zu jedem Kontrollzeitpunkt besiedelt waren, den Tod des Bienenvolkes und eine unbemerkte Wiederbesiedelung und damit eine vorgetäuschte Langlebigkeit des Bienenvolkes nicht vollständig ausschließen. Da langfristig autonom lebende Bienenvölker selten sind und zum Teil auch schwärmen, ließ sich die Langlebigkeit von autonom lebenden Bienenvölkern an Hand von morphologischen Merkmalen und den zur Verfügung stehenden Methoden statistisch leider nur unbefriedigend absichern. Durch systematische Suche und einen glücklichen Zufall konnten wir in einem Fall mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Wiederbesiedelung ausschließen, da dieses Bienenvolk bis zur Fällung des Nistbaumes acht Jahre lang nahezu täglich beobachtet wurde. Es lässt sich somit feststellen, dass höchstwahrscheinlich einige wenige Bienenschwärme autonome Völker aufbauen, die über viele Jahre mit Varroamilben koexistieren. Wurden diese Völker nach der Zerstörung ihrer Nisthöhle in Standartbeuten umgesiedelt, entwickeln sie sich überraschenderweise wie domestizierte Bienenvölker und zeigen keine nennenswert erhöhte Varroatoleranz. Man kann somit bei aller gebotenen Vorsicht vermuten, dass die Lebensbedingungen des Bienenvolkes einen entscheidenden Einfluss auf die Koexistenz von Bienen und Varroamilben haben und dass die beobachtete Überlebensfähigkeit und die Fähigkeit zur Varroatoleranz bei der Umsiedelung in einen anderen Lebensraum verloren gehen kann.


3. Suche nach Erklärungsmöglichkeiten

Da sich in den letzten 30 Jahren die Hinweise, das eingangs beschriebene Phänomen ernst zu nehmen, zunehmend verdichtet haben, sucht man nach Erklärungsmöglichkeiten. Honigbienen leben im Nestbereich als Gruppe von Tieren, man kann somit versuchen, auch die oben beobachtete Varroatoleranz als Eigenschaft eines emergenten Systems zu verstehen. Die Anerkennung von emergenten Phänomenen bedeutet aber nicht, den Verzicht auf die wissenschaftliche Erklärbarkeit, vielmehr handelt es sich um eine Beschreibung besonders komplexer Systemeigenschaften. Hier wollen wir emergente Eigenschaften als Eigenschaften interagierender, gruppenbildender Partner (Gruppeneigenschaften), deren Herausbildung trotz streng determinierter Anfangsbedingungen nicht prognostizierbar und reproduzierbar ist, verstehen.

Das klingt auf den ersten Blick völlig verworren. Auf den zweiten Blick sind uns jedoch Gruppeneigenschaften überschaubarer Systeme im Alltag gut vertraut. So sind z.B. die allgegenwärtigen Eigenschaften von Wasser wie Leitfähigkeit, Löslichkeit, Viskosität usw. zum Beispiel typische Gruppeneigenschaften, also Eigenschaften, die das einzelne Wasserteilchen nicht zeigt, die sich aber reproduzierbar immer wieder bilden, wenn genügend Wasserteilchen mit ihren Teilcheneigenschaften unter den gleichen Bedingungen zusammen kommen. Hat man z.B. ein einzelnes Wasserteilchen, kann man schwerlich vorhersagen, wie Wassereis ausschaut. Die Eigenschaften von Wassereis sind zum Beispiel ganz klar Gruppeneigenschaften.

Bei komplexeren Systemen wie dem Wetter oder dem Muster von z.B. Zebras, lässt sich das Ergebnis nicht mehr so leicht wiederholen. Sicher werden Zebras alle Streifen haben, komisch ist nur, dass die Streifen auch bei genetisch identischen Tier nicht deckungsgleich sind. Auch wenn diese beiden Phänomene heute verstanden sind, mag man zu Recht einwenden, dass Wasser und Zebrastreifen nichts mit Bienen zu tun haben. Betrachtet man jedoch die Entstehungsgeschichte des Lebens von der Kondensation der Energie zu Materie, der Entstehung der vier Grundkräfte im Universum, der darauf basierenden Entstehung von Sternen, von Planeten bis zur Entstehung unseren Bienen, so stellt man fest, dass neue Qualitäten in vielen Bereichen Gruppeneigenschaften voraussetzten und dass diese Entwicklungsschritte wie die Entstehung der Zebramuster im Detail nicht wiederholbar sind.

So weit, so gut. Dummerweise verhält sich die Interaktion von Leben als die komplexeste uns bekannte Organisationsform von Materie noch etwas komplizierter. Und wenn große Gruppen von Lebewesen wie z.B. unsere Bienen interagieren und in Volkseinheiten ein unüberschaubares Beziehungsgeflecht bilden, wird es wirklich verrückt. Spätestens jetzt ist man geneigt, "die Flinte ins Korn zu werfen" und alles als Zufall, also als einen statistischen Prozess abzutun. Aber genau das ist, denke ich, zu knapp gesprungen.

Kurz um - auf eine Gemeinschaft von Tieren wirken im ökologischen und sozialen Umfeld beliebig viele äußere Einflüsse. Fast alle Einflüsse sind für sich gesehen von untergeordneter Bedeutung, beeinflussen in ihrer Gesamtheit aber das emergente Potential der Gemeinschaft. Viel wichtiger als die Frage, warum ein Superorganismus erkrankt, ist die Frage:" Warum gelingt es dem Organismus in der Mehrzahl der Fälle trotz vorhandener Fähigkeiten zur Abwehr nicht, eine Fehlentwicklung zu erkennen und rechtzeitig unschädlich zu machen. Die Frage lautet nicht, was macht die einzelne Biene krank, sondern warum werden unsere Bienenvölker einmal mit Varroamilben besiedelt in der Regel nicht wieder gesund. Warum überleben Honigbienen ohne Pflegemaßnahmen nicht?


4. Eine alltägliche Beobachtung hilft weiter

Stellen sie sich z.B. vor, eine kleine Wachsmottenlarve zappelt auf der Wabe. Obwohl viele Bienen die Larve ignorieren und nur wenige sie attackieren, werden fast alle Wachsmottenlarven aus dem Volk entfernt. Unsere Bienen handeln in erster Näherung scheinbar autonom, jede Biene kann machen, was sie will und hat auch noch beliebig viele Möglichkeiten, irgendetwas zu machen. Und obwohl jede Biene irgendwas machen kann und vermutlich auch irgendetwas macht, sind offensichtlich manche Handlungen häufiger und im Ergebnis wird die Wachsmottenlarve entfernt. Ein äußerer Betrachter sieht die Gruppeneigenschaft: "Das Bienenvolk entfernt Wachsmottenlarven aus dem Bienenstock". Welche Biene die Wachsmotte attackiert und welche eben nicht, ist weder vorhersagbar noch ist der Ablauf im Detail wiederholbar. Wiederholbar ist lediglich, dass das Bienenvolk die Wachsmottenlarve aus dem Stock entfernt. Dieses optimale Verhalten zum Wohle der Gemeinschaft kann man auch als Schwarmintelligenz bezeichnen.

Werden die Wachsmottenlarven nicht entfernt, weil Bienen, die die Larve entfernen könnten, es anderen Bienen überlassen, die Larve zu entfernen und diese anderen Bienen es ihrerseits anderen Bienen überlassen usw., wäre das in unserem Sinne "Schwarmdemenz". Unter Schwarmdemenz wollen wir hier verstehen, dass die Gemeinschaft "dümmer" agiert als isoliert lebende Einzeltiere. Bezogen auf unser Beispiel meint Schwarmdemenz, dass die Gemeinschaft Schaden nimmt, da die Wachsmottenlarve nicht entfernt wird, obwohl in der Gemeinschaft Gruppen von Individuen existieren, die die Möglichkeit haben, die Wachsmotte zu entfernen, aber nicht oder nicht ausreichend aktiv werden.

Das oben beschriebene erfolgreiche Hygieneverhalten ist also eine Gruppeneigenschaft, ein rückgekoppeltes Phänomen, ein positives oder negatives emergentes Verhalten. Das Handeln der Gruppe ist bei positiver Emergenz erfolgreicher als die Aktionen der einzelnen Biene, deren individuelles Verhalten bedeutsam ist, aber in den Hintergrund tritt. Dass solche Gruppeneigenschaft von Lebens- und Umweltbedingungen wie z.B. der Volksstärke beeinflusst werden, hat sicher schon jeder Imker beobachtet.

5. Wir schaffen uns ein einfaches Modell

Um zu versuchen, die beobachtete Varroatoleranz und das Überleben der wenigen autonomen Kolonien als emergente Eigenschaft (oder Gruppeneigenschaft) des Bienenvolkes zu beschreiben, schaffen wir uns mal ein kleines einfaches Modell. Wie schafft man sich aber ein solches, möglichst übersichtliches Modell, das mit wenigen grundlegenden Thesen auskommen soll? Lassen sie uns doch mal die Beobachtungen bei den Wachsmotten auf unsere varroatoleranten, autonomen Bienenvölker übertragen. Ersetzen wir doch gedanklich einfach unsere Wachsmottenlarve gegen die Varroamilben und schauen mal, ob das für unser Verständnis hilfreich ist.

Als erste These unseres Modells soll eine optimale Anzahl an Varroamilben im Bienenvolk vorhanden sein, damit die Bienen sich mit den Milben ausreichend beschäftigen können. Als Zweites sehen wir einfach mal die Einzelbiene als kleinste Einheit an, die physisch in der Lage ist, die Varroamilben irgendwie erfolgreich zu attackieren. Das ist beides zweifellos erfüllt. Ob die Einzelbiene auch tatsächlich Milben attackiert, ist offen. Also brauchen wir als Drittes eine kleine Gruppe von Bienen, die auch aktiv wird und sich mit den Milben auseinandersetzt. Viertens muss das Volk als Ganzes in den Zustand konstruktiver Interaktion mit den Milben in den "Flow" kommen, also ein "schwarmintelligentes" Handeln ausbilden.

Diesen überschaubaren Ansatz kann man natürlich beliebig verändern oder erweitern. So ist, ohne die kognitiven Fähigkeiten der Bienen zu überschätzen, zum Beispiel denkbar, dass auch Lern- oder Nachahmungsprozesse eine Rolle spielen. Eine Biene fängt an, sich mit dem Milben auseinander zu setzen, eine andere macht es nach und mit der Zeit bildet sich ein Gleichgewicht zwischen Milben, die es schaffen, sich zu vermehren und Milben, die von den Bienen entfernt werden. Ebenfalls dürften Stimuli aus der Umwelt einen erheblichen Einfluss auf die Varroatoleranz, auf den Flow haben. Auch eine veränderte Fertilität der Varroamilben könnte möglich sein. Zu guter Letzt kann man für so ein Modell auch Differentialgleichungen aufschreiben, um es zu quantifizieren- ohne etwas Übung also eine eher kompliziertere Geschichte. Doch bleiben wir erst mal bei unseren vier überschaubaren Annahmen. Wir werden sehen, dass schon dieser minimalistische Ansatz für das Verständnis hilfreich sein kann. Spielen wir in diesem Rahmen doch einfach mal, was wäre wenn, ganz ohne Mathematik.

6. Sein Prognosepotential ist der größte Wert eines Modells

Ohne tiefer und zu sehr ins Detail zu gehen, bieten diese wenigen Überlegungen tatsächlich schon einige überprüfbare Ansätze. So würde man erwarten, dass eine breite Mischung aus Generallisten und Speziallisten unter den Bienen der Situation am besten gewachsen ist. Man sollte also genetische Diversität z.B. der Paarungspartner bevorzugen, damit im Bienenvolk viele Geschwistergruppen mit unterschiedlichen Anlagen leben. Des Weiteren würde man erwarten, dass das imkerliche Populationsmanagement der Varroamilben bei der Selektion varroatoleranter Bienen eine erhebliche Rolle spielt. Sind unsere Überlegungen nicht völlig falsch, so sind sowohl eine zu kleine wie auch eine zu große Varroapopulation für die Selektion ungeschickt. Bricht die Varroapopulation z.B. nach einer Pflegemaßnahme zusammen, würde folglich die kollektive Varroaabwehr ebenfalls zusammenbrechen. Ob sich bei dem sich anschließenden erneuten Wachstum der Varroapopulation das Abwehrverhalten schnell genug wieder etabliert, wäre nach unseren Überlegungen zu emergenten Eigenschaften offen. Es könnte genauso gut sein, dass die Varroapopulation die Schadschwelle erreicht, bevor sich erneut eine effektive Varroaabwehr etablieren konnte, was den Kollaps des Volkes zu Folge hätte. Neben der etablierten Zuchtarbeit wäre es nach unseren Überlegungen also von Vorteil, die Stärke der Varroapopulation im Bienenvolk zu optimieren, um varroatolerantere Bienen zu selektieren. Ein, zur Optimierung der Varroapopulation auf mittlerem Niveau denkbares Verfahren wäre z.B. gezielte Brutentnahme.

Des Weiteren müsste es nach unseren Überlegungen Stimuli geben, die die Ausbildung des Flows begünstigen. Was hilft den Bienen, die Varroapopulation zu kontrollieren? Was lässt sie aktiv werden und was sollte man vermeiden? Ist z.B. Stress wie die Varroabehandlung ein positiver oder negativer Stimulus? Sind Bienentee, Thymol oder andere Stoffe aus der Umwelt und Landwirtschaft hilfreich, wirkungslos oder schädlich? Wie wirken sich Pollenversorgung, Nektarversorgung, Brutgröße, das Bienen zu Brut Verhältnis usw. aus? Welchen Einfluss hat der allgegenwärtige Pflanzenschutz?
Was versetzt ein Bienenvolk mit geeigneten Voraussetzungen in die Lage, mit der Varroa zu koexistieren? Dass ein Bienenvolk in den Flow kommen und langfristig überleben kann, haben wir beobachtet. Unbeantwortet bleibt die Frage, wie ein Bienenvolk in den Flow kommt und warum Bienenvölker offenbar sehr, sehr selten die Fähigkeit entwickeln, jahrelang mit der Varroa zu koexistieren.

Nun wäre es sicher nicht richtig, das Gesagte zu überbewerten. Ein Modell ist kein Abbild der Realität, es soll uns "nicht Bienen" lediglich helfen, wichtige Zusammenhänge zu erkennen. Da wir nicht wissen, wie unser Modell richtig ist, versuchen wir einfach, es möglichst wenig falsch zu machen, korrigieren uns ständig und werden dabei im Verständnis immer besser. Mit anderen Worten solche Überlegungen sind nichts wert, wenn sie unsere Beobachtungen nicht erklären, kein Prognosepotential bieten und die Prognosen nicht in der Realität an der Beobachtung scheitern können. So paradox es klingt, jede gescheiterte Prognose hilft uns beim Verständnis, hilft bei der Verbesserung unseres Modells und damit auf dem Weg zur varroatoleranten Biene, auf dem Weg zu wieder frei und autonom lebenden Honigbienen in Deutschland.





7. Zusammenfassung

In den letzten 30 Jahren haben wir in Mitteleuropa abseits der menschlichen Obhut selten und vereinzelt langjährig autonom überlebensfähige Bienenvölker die bei der Umsiedelung in Imkerbeuten ihre Überlebensfähigkeit verlieren beobachtet. Da Varroamilben für Bienenvölker letal sind ist die beobachtete Überlebensfähigkeit zwangsläufig mit einer neuartigen Varroatoleranz verbunden.
Auf entsprechend schmaler Datenlage haben sich die Hinweise verdichtet, dass die beobachtete Varroatoleranz, ein Hauptmerkmal autonom lebensfähiger Bienenvölker, als emergente Eigenschaft aufgefasst werden könnte. In wie weit Emergenzbetrachtungen und einfache Modelle wie das Skizzierte mit seinem überschaubaren Prognosepotential auf dem Weg zur varroatoleranten Biene hilfreiche Ansätze sind, wird sich in der Zukunft zeigen. Abgesehen davon zeigt sich immer mehr, dass wir im Verständnis der Beziehungsgeflechte, der Kommunikation innerhalb des Bienenvolkes noch am Anfang stehen. Hier sehe ich erheblichen Forschungsbedarf. Verstehen wir das Bienenvolk besser, gibt es vermutlich auch bald wieder mehr Bienenvölker, die ohne menschliche Pflege überleben. Ich gehe davon aus, dass gezielte Emergenzforschung für die praktische Koexistenz von Honigbienen und ihren Mitbewohnern entscheidende Ansätze liefern kann. Und auch wenn es rein spekulativ ist, würde ich auf Basis dieser 30 - jährigen Studie erwarten, dass das Abwehrverhalten der Bienen gegen andere unerwünschte Mitbewohner des Bienenvolkes wie z.B. dem Beutenkäfer ähnlich wie das Abwehrverhalten der Bienen gegen Varroamilben funktioniert.

- Wissenschaftliche Arbeiten   - zum Thema autonom lebende Honigbienen
- Bienenbäume und Waldbeuten   - Praktische Voraussetzung zur Erforschung autonom lebensfähiger Honigbienen
- Emergenz Analyse   - Unser systematischer Forschungsansatz


Ein Bilck auf andere staatenbildende Insekten
Nun hätte man gern ein Bild wie man sich das Gesagte vorstellen könnte. Schauen wir doch mal wie andere staatenbildenden Insekten Probleme lösen und tatsächlich findet man bei Ameisen etwas Interessantes. Wirft man Blattschneiderameisen Hindernisse auf ihren Weg werden die Hindernisse von sehr wenigen Ameisen beseitigt ohne dass sich die Mehrheit der Ameisen darum kümmert und das kann man sich in einem Video vom Bayrischen Rundfunk von 2017 bei YouTube (Stichwort "Schwarmverhalten: Die Intelligenz der Vielen link: https://www.youtube.com/watch?v=9HCeqqGjRfM" Minute 13 bis 15) ansehen. Die Bilder sind beeindruckend dennoch sind Ameisen keine Bienen und Papierschnipsel keine Varroamilben. Einerseits wissen wir noch nicht wie Honigbienen die Fähigkeit zu überleben erwerben, doch deutet andererseits vieles darauf hin das es sich bei dem Beobachteten um ein grundlegendes Phänomen handelt. Grundlegende Phänomene sind selten auf eine Spezies beschränkt und so ist es sicher eine gute Idee sich in diesem Kontext an das Verhalten von Ameisen zu ernnern.

8. Ausblick

Unser Ziel ist die Wiederansiedelung autonom lebender Honigbienen. Dazu ist es notwendig, die in den letzten dreißig Jahren gesammelten Erkenntnisse, Erfahrungen und die praktischen Experimente tiefer im Detail auszuwerten, um die Methode zur Ansiedelung autonomer Honigbienen weiter zu optimieren. Wir verfügen momentan schon sowohl über das Knowhow, die Erfahrung als auch über geeignete Bienenbestände, autonom lebendende Honigbienen anzusiedeln und suchen Partner und eine geeignete Finanzierung zur praktischen Umsetzung.

Kurzfristig werden sie folgendes Erleben. Sie können gespannt sein. Folgeartikel werden ihnen demnächst Einblicke in den Nistbaum eines über acht Jahre nahezu täglich beobachteten, autonom mit der Varroa lebenden Bienenvolkes geben. Wir haben die Fällung mit Bildern dokumentiert und Überraschendes gefunden.

Unsere Gefriertruhe beherbergt momentan Proben von allem, was sich bei der Fällung dieser Nisthöhle als Probe angeboten hat. Bei minus zwanzig Grad lagert der interessanteste Fund von dreißig Jahren Beobachtung autonom lebender Bienenvölker. Momentan suche ich nach Kooperationspartnern und einer Finanzierung, die mir ermöglichen, die Proben von Futter- und Brutwaben, von Bienenproben, von Teile der gefällten Nisthöhle und von vielem mehr wissenschaftlich zu untersuchen. Mit etwas Glück kann ich ihnen in der Zukunft auch von dieser Auswertung berichten.


Er steht dahinter

Dr. Frank Mallwitz, promovierter Physikochemiker, Biochemiker, seit mehr als 35 Jahren Imker. Momentan leitet er die forschende Bio Imkerei Green Honey

Dr. Frank Mallwitz - im Raum Berlin geboren, mit der Natur aufgewachsen, kaufte ich mir fast folgerichtig nach dem Abitur meine ersten Bienenvölker. Und so lernte ich in einer Zeit des Umbruchs das Imkern neben dem Studium der Naturwissenschaften auf die harte Tour. Mit zwei Diplomen in der Tasche und der Promotion am Max Planck Institut mit summa cum laude war ich schon mit 30 Jahren leidenschaftlicher Naturwissenschaftler und erfahrener Imker. Weder die Forschungsaufenthalte im Ausland, die internationalen Dienstreisen noch die Zeit als Forschungsleiter eines KMU konnten mich von den Bienen trennen. Viele Pläne wurden geschmiedet und verworfen, Investitionen folgten auf Entscheidungen und über die Jahre wuchs eine kleine traditionelle Imkerei zu dem Bio zertifizierten Unternehmen Green Honey. Heute fordert Green Honey mit seiner momentanen Kapazität von rund 300 Bienenvölkern den "Ganzen Mann". Und so wurde aus dem Naturwissenschaftler und Forschungsleiter der Unternehmensgründer einer modernen, forschenden, zertifiziert ökologischen Imkerei.

Forschungsinteressen - in drei Stichpunkten:

I Populationsdynamik von Kolonien autonomer Honigbienen im natürlichen Habitat
Stichworte: Interaktion in komplexen Gemeinschaften, Informationsgenese, Emergente Prozesse

II Interaktion autonomer Honigbienen mit den Veränderungen des Habitats
Stichworte: Insektensterben, Verarmung der Landschaft, Parasiten (Varroa, Beutenkäfer usw.)

III Wiederansiedelung ausgestorbener Honigbienen in Europa
Stichworte: Erforschung der notwendigen Rahmenbedingung und praktische Wiederansiedelung


Links für Interessierte

- Methoden: Aktivitäts Analyse
- Methoden: Subjekt Analyse
- Methoden: Biotop Monitoring

- Hobos / ein Projekt der Uni Würzburg
- Honigbienen sind Waldbewohner   (ein Bildband)


Download: dieser Artikel (Version 12/2019) bebildert (aktuellste Version online)



Kontakt:

info@greenhoney.eu
Leo@greenhoney.eu